Gegen die Volksmacht

Thema: Klassenkampf
Datum: Februar 2018
Einleitung und Übersetzung von: Enrique „El Perico“ Mendoza
Text aus: Proletarios Internacionalistas

Der Linkspopulismus gegen die Revolution

Der vorliegende Text wurde im Jahr 2013 publiziert, hat aber leider nicht an Relevanz verloren. Denn viele selbsternannte Anarchist*innen oder Kommunist*innen, halten heutzutage den Dualismus zwischen Links und Rechts aufrecht, ohne die Notwendigkeit des Bruchs mit der Warengesellschaft und der Vielfalt der mit ihr verbundenen Unterdrückungsmechanismen auch nur im geringsten anzusprechen. Wo Michel Temer in Brasilien beispielsweise mit seiner potenzierten neoliberalen Politik, die internationalen und nationalen Interessen des Kapitals durchsetzt, schreien viele nach Dilma Rousseff bzw. Nach Lula, der trotz der Korruptionsskandale, sich an der Präsidentschaftswahl dieses Jahres beteiligen möchte. Als ob die Arbeiterpartei PT nicht die global Herrschende Produktionsform aufrechterhalten würde, als ob durch die Wahl des „kleineren Übels“ sich das Proletariat eine Verschnaufpause gönnen könnte um seine Kräfte zu sammeln und als ob die Almosen für ein Teil der ärmeren Schichten, tatsächlich die Armut beenden könnten. Ganz im Gegenteil: Linkspopulistische Parteien absorbieren die Kraft der sozialen Bewegungen, sie befrieden den Konflikt und schüren den Nationalismus und den Demokratiefetisch, was nichts anderes als eine Apologie des Bestehenden bedeutet und eine wirkliche Veränderung der Gesellschaft auf die Ewigkeit verschiebt. Continue reading Gegen die Volksmacht →

Reflexionen eines angekotzten müden queeren Subjekts

Thema: Antisexismus
Datum: 24/01/2018
Von: Freund*innen der RRN

Marxismus, Existenzialismus, Antifaschismus, Trash, Britney Spears, Populärkultur, Techno, Liebe in Zeiten des kommenden Aufstands

Ein Essay in sechs Teilen.

Schöne neue pinke Welt. Amikäfer Halt!

Die florierende Sicherheitsindustrie und die militärische Aufrüstung werden durch die Rekrutierung von LGBT-Individuen gestärkt. Angetrieben wird diese Rekrutierung von Vertreter*innen des neoliberalen politischen Establishments. Während sich die jetzige Trump-Administration gegen den Dienst von Trans*menschen positioniert, übernimmt die herrschende medial angetriebene feministische Diskussion die Verteidigung von identitätspolitischen Anliegen, statt den überdimensionierten Sicherheitskomplex in Frage zu stellen. Was sollte daran falsch sein, dass Trans*menschen in der Armee dienen dürfen? Entgegen der transphoben Politik Trumps sollte es in der individuellen Freiheit liegen, ob man sich in das System der Landesverteidigung eingliedern möchte oder nicht. Und gerade in einer Zeit in der gerade in den USA die Anliegen von Trans*menschen wieder mediale Beachtung erhalten. Natürlich wird auch hier das neoliberale Establishment in der aufgeladenen Porträtierung von weissen und privilegierten Individuen aktiv, während noch immer viele überwiegend schwarze Trans*frauen im ganzen Land in Hassverbrechen ermordet werden. Der liberale Diskurs hat die Positionen bereits etabliert. Selbstgerecht anmutende Menschen, welche sich left-wing bezeichnen, sind für die Rechte von Trans*frauen und somit auch für die Eingliederung von Minderheiten, um dem tötenden Militärkomplex neues Futter und ein liberales zukunftgewandtes Image zu verschenken. Sie applaudieren und schreien Gerechtigkeit, wenn die Hälfte der zehn reichsten Menschen aus Frauen bestehen wird. Die Gruppe der liberalen US-Amerikaner*innen kann schlecht als links bezeichnet werden, denn sind ein Produkt einer langjährigen kapitalistischen Hirnwäsche, welche durch Identitätspolitik eine profitable und unschädliche Gruppe im neoliberalen Markt produziert hat. Die marktrelevante Individualisierung und Optimierung der eigenen Identität scheint Hand in Hand mit der Entfremdung der zugehörigen Klasse einherzugehen. Wer die Homo-Ehe will, scheint sich mit der Verachtung gegenüber anderen weniger privilegierten und unterdrückten queeren Lebensformen arrangiert zu haben. Wer in den USA links ist, würde sich hoffentlich der faschistoiden und perversen Verehrung und Verherrlichung der Landesverteidigung und des Nationalstaates entziehen. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird die Tötung unzähliger Menschen seit Beginn der Entstehung euphorisch gefeiert. Continue reading Reflexionen eines angekotzten müden queeren Subjekts →

Ein Grabstein für Locarno

Thema: Kampf um die Stadt
Datum: 25/01/2018
Von: RRN

Locarno, Winter 2018. Von den Mauern neben der Rotonda hängt ein Transparent mit der Aufschrift “Reformationsstadt”. Die Bedeutung dieser Benennung findet mensch auf der Website der Stadt:

     “Auf Einladung der Reformierten Evangelischen Gemeinschaft von Locarno und Umgebung hat die Stadt Locarno darum gebeten, sich dem internationalen Netzwerk der europäischen Reformationsstädte anzuschließen, die von der Gemeinschaft der protestantischen Kirchen in Europa gegründet wurde. Der Antrag wurde im Februar 2017 angenommen.“
(…)
      „In den 1540er Jahren entstand in Locarno eine Reformbewegung, die bald eine reformierte Gemeinschaft ins Leben rief.. Der Gemeinde wurde jedoch keine Glaubensfreiheit gewährt. 1555 mussten die Reformierten zwischen Abschwörung und Exil wählen. Die Mehrheit entschied sich nach Zürich auszuwandern, wo sie willkommen geheißen wurden. Das Exil, das den Reformierten auferlegt wurde, bleibt unauslöschlich in der kollektiven Erinnerung von Locarno.“

(…)
      Zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen möchte die Stadtverwaltung unterstreichen, wie es Locarno gelungen ist, die alten und tiefen Wunden zu überwinden und sich als Ort der Versöhnung, des Friedens und der Integration zu präsentieren.“ (Übersetzt von http://www.locarno.ch/it/locarno-citta-europea-della-riforma)

Ein paar Konzepte, die in diesem Text erscheinen: Existenzfreiheit, die sozialen Gruppen nicht gewährt wird; Abschwörung oder Exil; Mehr oder weniger erzwungene Auswanderung aufgrund des bedrückenden Klimas in der Provinz; Repressionen, die in der Erinnerung der Stadt unauslöschlich bleiben; Tiefgreifende Wunden die überwunden wurden; Locarno, das sich als Ort der Versöhnung, des Friedens und der Integration präsentiert (klasse Wortwahl)… Continue reading Ein Grabstein für Locarno →

Anarchistische Kollektivierungen in Spanien 1936. Teil I.

Thema: Kultur/Klassenkampf
Aus: „Päfzger

(Photo: portaloaca.com)

Es gibt wenige historische Ereignisse, in denen eine anarchistische Perspektive einer neuen Gesellschaft so weit im Vordergrund stand wie während dem Spanischen Bürgerkrieg von 1936-1939. Bis heute sind dementsprechend diese Geschehnisse im kollektiven Gedächtnis vieler AnarchistInnen, ein Lichtblick in der Geschichte des Kampfes für die Umwälzung kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse: Sie sind eine Art Hoffnungsträger und fungieren als praktisches Beispiel eines Gegenpols zum autoritär-leninistischen und später stalinistischen geprägten Russland, nach der Revolution von 1917. Dies obwohl die anarchosyndikalistische Massenorganisation CNT maßgeblich an der Eindämmung der revolutionären Kräfte beteiligt war und die Hochblüte der anarchistischen Ideale auf die Anfangsphase des Bürgerkriegs zwischen Juli und September 1936 beschränkt blieb.

In diesem zweiteiligen Artikel soll zunächst die CNT/FAI kurz dargestellt werden und die strukturellen Hintergründe des Bürgerkriegs in agrar-geprägten Gebieten umrissen werden. Daraufhin werden die Kollektivierungen und deren Durchsetzung besprochen. Im zweiten Teil des Artikels wird anhand der Ortschaft „Mas de las Matas“ eine konkrete Organisationsform innerhalb eines Dorfes dargelegt um folglich die Betriebsübernahmen in Katalonien und die Auswirkungen des Kollektivierungsdekrets vom 24. Oktober 1936 besprochen. Continue reading Anarchistische Kollektivierungen in Spanien 1936. Teil I. →

Verdrängung und Spekulation der SBB: In Bellinzona wie im Rest der Schweiz

Thema: Klassenkampf/Kampf um die Stadt
Datum: 30/12/2017
Von: RRN

Am 11. Dezember haben Vertreter*innen von SBB (A. Meyer), Kantonsregierung (C. Zali und C. Vitta) und Stadt von Bellinzona (M. Branda und S. Gianini) eine Absichtserklärung über den Bau eines neuen SBB-Werks für den Fahrzeugunterhalt unterzeichnet. Es soll voraussichtlich im Jahr 2026 fertiggestellt sein, zirka 360 Milionen Franken (180 mio von SBB, 60 mio von der Eidgenossenschaft, 120 mio von Kanton und Stadt) soll das Budget betragen. Die neuen “Officine” werden vom Zentrum in den Norden verlegt und noch rund 200 Arbeiter*innen einstellen können – etwas die Hälfte der aktuellen Belegschaft. Zudem werden sie in Zukunft um die Wartung von Passagierzüge eingesetzt, anstatt Warenzüge wie bisher. Der aktuelle Standort – momentan noch in Besitz der SBB, nach der Verlegung wird die Hälfte der Fläche an Stadt und Kanton abgetreten – soll in einen innovativen Technologiepool umgewandelt werden – oder angebrachter, einen Überwachungs- und Aufwertungspool.

(Photo – collettivoscintilla.org)

“Diese Aussichten widersprechen dem, was Giù le mani und die Belegschaft sich vorgenommen hatten, sowie dem, was SBB, Kanton und Stadt nach zähen Verhandlungen mehrmals versprochen hatten” kommentierte Gianni Frizzo vom Komitee “Giù le mani dalle officine” (“Finger weg von den Officine”) im Tessiner Fernsehsender RSI am 11. Dezember. Der Grossrat Matteo Pronzini (BfS), ebenfalls Mitglied von “Giù le mani dalle officine”, kritisiert SBB und Staatsapparat mit schärferen Worten: “Die Bundesbahnen haben nie ein Abkommen eingehalten, während die Behörden nichts getan haben um diese durchzusetzen. Jetzt springt die Politik auf den Wagen der SBB und legitimiert den Abbau der Werke. Seitens der Politik ist dies ein schlimmer und beunruhigender Akt.” Continue reading Verdrängung und Spekulation der SBB: In Bellinzona wie im Rest der Schweiz →

Urban Citizenship mit neoliberalem Nachgeschmack

Thema: Kampf um die Stadt
Datum: 11/2017
Von: RRN (im aktuellen „Antidot“ erschienen – 12/’17)

Lead:
Das Thema scheint vielversprechend, um die Lebenssituation vieler Menschen zu verbessern. Für eine Initiative wie die Tour de Lorraine, die als Gegenveranstaltung zum World Economic Forum ins Leben gerufen wurde, hinterlässt Urban Citizenship dennoch einen ziemlich neoliberalen und herrschaftskonformen Nachgeschmack, der hier thematisiert wird.

Text:
Unter den Anhänger*innen der Marktwirtschaft gibt es solche, die, wenn nicht vernünftiger, doch zumindest ein bisschen realitätsnäher sind als andere. Sie stellen die neoliberale Kehrseite zu den faschistoiden Tendenzen der selben spätkapitalistischen Medaille: So steht Trudeau in Kanada gegen Trump in den USA, Macron gegen Le Pen in Frankreich, oder Merkel gegen Seehofer und die AfD-Nazibande in Deutschland. Diese Politiker*innen nehmen zur Kenntnis, dass im freien Kapitalverkehr immer mehr Menschen miteinander in Konkurrenz treten, und das auf einem immer globalerem Arbeitsmarkt.

Es ist Tatsache, dass, wo Geld und Waren grenzenlos zirkulieren und Nationalstaaten zunehmend ihre Souveränität an internationale Organisationen, Freihandelsabkommen und transnationale Unternehmen abgeben, sich einerseits das Geld in gewissen Regionen – vor allem eben Städte im globalen Norden – akkumuliert und dass andererseits die Menschen dorthin migrieren, wo das Geld ist.

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“Gegen diejenigen, die revoltöse Seelen zum Erlöschen bringen wollen”; antifaschistische und antikapitalistische Demo in Lugano

Thema: Antifaschismus
Datum: 23/12/2017
Von: RRN

Am Samstag 23. Dezember haben in Lugano etwa fünfzig Personen an einer antifaschistischen und antikapitalistischen Demo teilgenommen, um gegen die unzähligen Ungerechtigkeiten zu protestieren, die sich im Tessin in den letzten Zeiten angehäuft haben, sowie gegen die wachsende Faschisierung von Gesellschaft und Staatsapparat.

“Gegen diejenigen, die revoltöse Seelen zum Erlöschen bringen wollen” hiess es wortgemäss auf dem Front-Transpi, auch wurde das mörderische Grenzregime angeprangert. “Gegen jeden Rassismus und Grenze – Solidarität mit den Migrant*innen” war auf einem anderen Transparent zu lesen. Grenzen töten; wie am Februar dieses Jahres, als in Balerna ein junger Mann von einem Stromschlag getötet wurde, weil er auf dem Dach eines Zuges in die Schweiz gelangen wollte um den Grenzkontrollen zu entgehen. Sich verstecken zu müssen weil als illegal definiert wird ist Alltag für Tausende von Menschen. Continue reading “Gegen diejenigen, die revoltöse Seelen zum Erlöschen bringen wollen”; antifaschistische und antikapitalistische Demo in Lugano →

Rassismus und Ausbeutung: Protestdemo in Lugano ausgerufen. Derweil ereignet sich in Bellinzona ein weiterer Naziangriff

Thema: Antifaschismus
Datum: 20/12/2017
Von: RRN

Es ist erst ein Monat vergangen, und schon wieder berichten Tessiner Medien (laRegione, Ticinonews) von einem Angriff, der am Sa. 16. Dezember auf einem Zug nach Bellinzona stattgefunden hat. Der Täter ist wieder ein bekanntes Gesicht der Nazi-szene, in Zusammenhang mit der Crew 38.

Dem Angreifer ist es gelungen zu fliehen, andere Informationen sind im Moment nicht erhältlich. Wir halten Augen und Ohren offen.

Derweil wurde eine Demo unter dem Motto „die Zeichen eines schrecklichen Friedens“ ausgerufen, um die unzähligen und zunehmenden Ungerechtigkeiten und Schandtaten im Kanton anzuprangern

Übersetzung des Aufrufs, der auf „frecciaspezzata“ erschienen ist: https://frecciaspezzata.noblogs.org/files/2017/12/manifesto23.jpeg

„Wir wollen keine Frieden, gegen Krieg und Rassismus wir rebellieren! Continue reading Rassismus und Ausbeutung: Protestdemo in Lugano ausgerufen. Derweil ereignet sich in Bellinzona ein weiterer Naziangriff →

Übersetzung: Fascho-rassistische Provokation gegen “Como senza frontiere”

Thema: Antifaschismus
Datum: 29/11/2017
Übersetzt von: https://ecoinformazioni.wordpress.com/2017/11/28/provocazione-contro-como-senza-frontiere/

Die Sitzung von “Como senza frontiere – Como ohne Grenzen” am 28. November beim “Chiostrino di Sant’Eufemia” in Como wurde um 21.30 Uhr durch eine faschistische und rassistische Provokation gestört. Eine Gruppe von 15 Exponenten des Kulturellen Vereins “Veneto Skinheads-Front” sind in die Halle im ersten Stock reinmarschiert – wo grad eine Sitzung stattfand – und hat die Vorlesung eines Flyers mit dem Slogan “Genug invasion!” erzwungen. Die Teilnemer*innen dutzender Organisationen die zusammen das Netzwerk (Como senza frontiere) bilden, haben sich von der Provokation nicht beeindrucken lassen, sondern die Provokateuren mit Höflichkeit “empfangen” und ins Staunen geraten wegen den im Dokument geschriebenen Absurditäten. Nach der Vorlesung der „Proklamation“ haben die Provokateure den Sitz verlassen wo die Sitzung regelmässig fortgesetzt werden konnte.

Video der Tat: https://www.youtube.com/watch?v=kf0nit7p2Mk

Messerstecherei in Locarno; Hakenkreuz und Crew 38

Thema: Antifaschismus
Datum: 24/11/2017
Von: RRN

Freitag der 17. November ist ein junger Mann in Locarno von einem Nazi angegriffen worden. Der Angreifer trug einen gut sichtbaren Aufnäher von Crew 38, ein Unterstützungsnetzwerk der Hammerskins, unermüdliche Unterstützer*innen der weissen Rasse: 3=C, 8=H, Crossed Hammers. Vor der Bar Castello sei die Auseinandersetzung gestartet, als mehrere Anwesende dem Neonazi klar machen wollten, dass in Locarno Nazis nicht willkommen seien. Auf der Piazza Grande sei der Streit in einer Messerstecherei schliesslich eskaliert. Das Opfer ist neben der Schulter nahe am Hals verletzt worden. Das Tatmesser, vom flüchtenden Nazi in einen Abfalleimer geworfen, wurde von der Polizei gefunden: eingraviert ein Hakenkreuz mit der Aufschrift “Sieg Heil”. Continue reading Messerstecherei in Locarno; Hakenkreuz und Crew 38 →