Der Kongress gegen die kapitalistische Stadtentwicklung wird in die Wege geleitet

Thema: Kampf um die Stadt
Datum: 16/05/17
Von: RRN

Das erste internationale Treffen mit zentralen Thema der Stadt und ihrer kapitalistischen Entwicklung wird in Zürich stattfinden – vom Freitag 26. bis Sonntag 28. Mai im Koch-Areal.

Wie auf der Website www.kongress.ga aufgezeigt, sieht der Kongress als Ziel vor sich mit diesen Vorgängen auseinanderzusetzen sowie „klar Position gegen die Stadtentwicklung, die von den Mächtigen vorangetrieben wird“ zu beziehen. „Es ist klar, dass das Kräfteverhältnis in den Auseinandersetzungen um die Städte ungleich verteilt ist“,  heißt es im Einladungsschreiben weiter. „Genau darum ist es uns wichtig, einen Anlass zu schaffen, an dem man sich austauschen, vernetzen und organisieren kann.“ Der Anlass ist öffentlich und richtet sich an all jene, welche Widerstand gegen Aufwertung und Verdrängung leisten.

Gekennzeichnet durch Gentrifizierung trifft die kapitalistische Stadtentwicklung mit unterschiedlicher Intensität die großen bewohnten Stadtzentren. Der Prozess besteht aus der Aufwertung von Zonen und Quartieren, wobei die der Spekulation ausgesetzten Immobilien – mit dem Ziel sie danach zu einem höheren Preis vermieten oder verkaufen zu können –  renoviert oder abgerissen und neu gebaut werden. Dieser Prozess drängt folglich die weniger wohlhabenden Klassen dazu, die urbanen Zentren zu verlassen und sich immer weiter an die Stadtränder zu bewegen.

Diese Praxis wird von der bourgeoisie und die Unternehmen forangetrieben, welche innerhalb der Rahmenbedingungen des freien Wettbewerbs die Ausdehnung die Aufwertung ankurbeln, in dem sie der Lohnarbeit unterworfenen Arbeitskräftenen beauftragen, die Quartiere zwecks Profitinteressen umzugestalten. Somit werden schlussendlich die dort ansässigen (grössetenteils Arbeiter-) Familien aus den Zentrum der Stadt verdrängt.

Der Begriff gentrification wurde von der Soziologin Ruth Glass in den 60er Jahren in England geprägt, wo auch das Phänomen begann vonstatten zu gehen. In den letzten zehn Jahren wurde es zu einer immer geläufigeren Praxis, wie man in vielen Städten erkennen kann – darunter auch Zürich. Sehr deutlich macht dies dort das Beispiel der EuropaAllee und deren Vorrücken in Richtung Westen. Die EuropaAllee ist ein Gebäudekomplex mit Läden, Büros und Luxusapartments. Sind diese entwicklungen nicht eigentlich da zu da, diese “Allee” vom Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Hardbrücke auszubreiten und dabei ein herausgeputztes und Konsumorientierte Quartier zu schaffen.

Gentrifizierung ist dennoch keine Ausnahmeerscheinung. Tatsächlich sind Städte wie Berlin, London, Turin, Rom, Paris und Marseille dieser seit Jahren ausgesetzt.

Laut dem Programm des Kongress‘, welches am Wochenende auf dessen Website veröffentlicht wurde, sind Gäste aus anderen Städten vorgesehen, welche die Möglichkeit haben werden ihre Erfahrungen mit der Lokalbevölkerung zu teilen. Die Veranstaltung beginnt am Freitagabend mit der Vorführung des deutschen Films „Verdrängung hat viele Gesichter“, welcher verschiedene Aspekte des Phänomens Verdrängung in einem Rotlichtviertel Berlins aufzeigt (Trailer: https://www.youtube.com/watch?). Am Samstag geht es um 14 Uhr weiter mit der Schilderung von Erfahrungen aus dem Norden Italiens und um 16 Uhr mit Samira, Gast aus Berlin mit dem Thema „Perspektiven von Widerstand im Kampf um die Stadt“ (Informationen unter: https://karlapappel.wordpress). Am Abend ist wiederum „eine politische Geschichte“ vorgesehen – eine Präsentation von Alèssi dell’Umbria, Autor und Regisseur aus Marseille (https://fr.wikipedia.org/wiki). Damit sind die kulturellen Veranstaltungen abgeschlossen und ein Konzert ist vorgesehen.

Am letzten Tag geht es raus für einen Quartierspaziergang mit dem Ziel das Phänomen „Aufwertung“ im Kleinen zu beobachten und einen Einblick zu gewinnen, wie sich die Stadt als Ganzes wandeln könnte. Nach dem Spaziergang werden Gäste aus Basel ihre Erfahrungen teilen zum Widerstand in der Mülhauserstrasse 26 gegen die Entscheidung der Massenkündigungen der aktuellen älteren Bewohner*innen aus dem betreffenden Gebäude, welches Gegenstand der Aufwertung ist. Geht es nach der kapitalistischen Entwicklung der Rheinstadt müssen die Leute dem Profit und dem funkelden Schein der Warengesellschaft Platz machen.

Der letzte Programmpunkt am Sonntag sieht einen Austausch zwischen den verschiedenen städtischen Erfahrungen vor, wobei auch Platz für Diskussionen und Fragen im Ausblick auf einen gemeinsamen zukünftigen Kampf bleibt.

(foto: kongress.ga)

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