Demonstration in Solidarität mit den Streikenden der Navigazione Lago Maggiore

Thema: Klassenkampf
Datum: 28.06.2017
Von: RRN

Heute, am vierten Streiktag der ArbeitInnen am Lago Maggiore wurde eine Demo in Solidarität mit den Streikenden angekündigt. Sie wird am Samstag, den ersten Juli um 14:00 Uhr beim “Debarcadero” in Locarno stattfinden.

Das treffen mit der Staatsratsdelegation am Montag hat, wie zu erwarten war, keine Ergebnisse gebracht. “Wir suchen eine angemessene und dauerhafte Lösung” so Bertoli – SP Minister – aber die Tatsachen liegen offensichtlich anders. Die ArbeiterInnen gingen enttäuscht aus dem Gespräch mit Manuele Bertoli (SP) und Claudio Zali (Lega). Ein weiteres mal wurde man darin bestätigt, dass der Schutz der Lohnarbeit und der Beschäftigten von Seiten der ParlamentarierInnen kaum mehr als leere Phrasen sind, die, abgesehen von guten Schlagzeilen, keinen realen Effekt haben. Die Arroganz, das Unverständnis und das Desinteresse, mit denen dieser sogenannte Sozialdemokrat den Streikenden begegnete, hinterliessen kaum mehr als einen schalen Beigeschmack. So liess er verlauten, dass die Streikenden sich beruhigen sollen, denn die aus der Privatisierung hervorgegangene „Società Navigazione Lugano“ werde schon alles richten. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass Privatisierungen in aller Regel zu „Effizienzsteigerungen“, also Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und in den meisten Fällen zu Stellenabbau führen. Die Streikenden wiesen diesen halbherzigen Befriedungsversuch natürlich zurück, und entschieden sich den Streik fortzusetzen und zu einer Demonstration aufzurufen.

In den schweizerischen Gebieten auf der anderen Seite des Maggiore beginnen sich indes ganz andere Leute Sorgen zu machen. Natürlich nicht um das Schicksal der streikenden ArbeiterInnen, sondern um die drohenden Verluste für den Tourismus auf den „Isole di Brissago“. So rief der Bürgermeister von Ronco sopra Ascona, Paolo Senn, zur Beendigung des Streiks auf, als man ihn am 27. im tessiner Radio zu Wort kommen liess. Der Arme, die bürgerliche Arroganz kennt keine Grenzen… Aber es ist noch nicht fertig; die Bürgermeister der drei Miteigentümergemeinden der Isole di Brissago haben sich am Dienstag 27. Juni getroffen und entschieden, sich über den Streik hinwegzusetzen und die bestreikte Schiffsverbindung durch ein privates Transportunternehmen zu ersetzen. Komisch, erst vor zwei Monate stand auf der Website der “Società Ticinese Scienze Naturali”, dass die Möglichkeit in Betracht gezogen werde, die Inseln unter Kantonskontrolle zu nehmen, da die Eigentümergemeinden sich seit längerem erfolgreich weigerten die Pflege der Botanischen Gärten auf den Inseln zu organisieren. Jetzt aber, da es um das Geschäft geht, weht plötzlich ein ganz anderer Wind. Es versteht sich ja von selbst, dass sich ohne den Streik nichts am Desinteresse der Gemeinden geändert hätte.

Dennoch, an Solidarität mangelt es letztendlich nicht. Am Dienstag, den 27. Juni kam eine solidarische Delegation aus dem Hafen von Verbania, sowie aus Lausanne und Neuchatel, die die Streikenden in ihrem Vorhaben bestärkten. Solidarität kommt auch von der lokalen Bevölkerung sowie von Touristen, die unter anderem die VoKü am Dienstag Abend im Debarcadero besuchten. Einer solidarischer Gruss ist auch aus Zürich gekommen, wo ein Transparent mit den Worten “Solidarietà con * operai* della Navigazione lago Maggiore” aufgehängt wurde.

Nach dem an der letzten Sitzung beschlossen wurde, nicht auf die leeren Versprechungen des Staatsrates und der Privatisierungsbefürworter einzugehen und den Kampf fortzuführen, beschrieb sich die Gewerkschaftsfront als eine Geschlossene, die mit nur einer, geeinten Stimme spreche. Die „Partito Operaio Popolare“ (Partei der Arbeit Tessin) deklariert, dass „es notwendig sei, den Streik fortzusetzen, bis auf die Forderungen eingegangen werde“. Die Kommunistische Partei Ticino, hat sich im Parlament dafür ausgesprochen, dass „die Regierung sich mit allen Mitteln für den Schutz des öffentlichen Transports einzusetzen habe“. (laregione.ch)

Weder die tessiner noch die italienischen Parlamente haben bisher Interesse gezeigt, auf die Forderungen einzugehen. Es wird also wahrscheinlich nötig werden, andere Mittel zu finden. Fürs erste heisst das vor allem etwas; nämlich am ersten Juli Schulter an Schulter mit den Streikenden beim Debarcadero in Locarno zu Protestieren!

(foto: rrn)

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