700 für die Pirat*innen des Lago Maggiore als Antwort auf den Befriedungsversuch der Politik

Thema: Klassenkampf
Datum: 02/07/2017
Von: RRN

“Sciopero, sciopero, sciopero!”, mit Fahnen in den Händen und unter dem Jubel der 700 Solidarischen und Kolleg*innen aus verschiedenen italienischen und schweizerischen Häfen verliessen die Streikendnen am Samstag den „Debarcadero“ in Locarno. Im Tagesplenum hatten sie entschieden, die von den Gewerkschaften angemeldete und bewilligte Demonstration, die zur Piazza Grande und damit zum Rathaus zog, anzuführen. Dort gab es verschiedene Redebeiträge von Streikenden und Gewerkschafter*innen.

Während des Solidaritätsmarsches teilten die Gewerkschaften mit, dass die „Società Navigazione Lago Maggiore“ ein Motorboot und Personal aus Italien einsetzt, um die Verbindung Ascona – Isole di Brissago – Ronco S. Ascona aufrecht zu erhalten, und somit die Folgen des Streiks abzufangen. Eine Entscheidung, die – so die Gewerkschaften – auf Anraten des Transportdepartements getroffen wurde, das bekanntlich kein Geheimnis daraus macht, wie es zu den Streikenden und ihren Anliegen steht. Die tessiner Regierung liess durch den Staatsratspräsidenten Manuele Bertoli verlauten, dass sie die Massnahme gegen den Streik begrüsse und bezieht damit ein weiteres Mal Position gegen die Streikenden und ihre Familien.

Die Solidaritätsbekundungen vom Samstag bestärkten die Streikenden in ihren Positionen, und liessen sie entschlossen und vereint zurück. Daraufhin wurde die Fortführung des Streiks beschlossen und eine neue Forderung formuliert; die  FART (Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi) soll mit der Unterstützung von Bund und Kanton auf die Schifffahrt auf dem Maggiore ausgedehnt werden. Das würde die Fortführung des Betriebs unter den Arbeitsbedingungen des FART-NLM* Reglements ermöglichen, wogegen die Privatisierungspläne der „Navigazione Lago Lugano“, die im März die Erneuerungsverhandlung des GAV unterbrochen hat, erhebliche Verschlechterungen mit sich bringen würden. Namentlich sind das Lohnkürzungen von bis zu 1000.-, sowie die Verstärkung des Wettbewerbs und der Konkurrenz zwischen den Arbeitnehmenden.

Nach der Demo gingen viele der Teilnehmenden wieder zum „Debarcadero“, wo Genoss*innen des Scintilla Kollektivs eine SoliVoKü organisiert hatten. Viele kehrten jetzt das erste Mal nach einer intensiven Streikwoche nach Hause zurück um sich auszuruhen, im besten Wissen, dass Leute beim Hafen bleiben und ihren Kampf in der Zwischenzeit weitertragen. Gegen Zehn Uhr erloschen dann die Lichter im „Debarcadero“, und der Tag blieb vielen als ein kämpferischer und erfreulicher in Erinnerung.

Sonntag 2. Juli: Autoritäre Interventionen?
Als sich am Sonntag Nachmittag ein Schiff mit Personal und Tourist*innen aus Italien näherte, hatten einige der Streikenden die Absicht es nicht anlegen zu lassen. Sie sammelten sich auf dem Steg und Schwenkten den „Streikbrechern“ ihre Fahnen entgegen. Als diese dann offensichtlich auf den Hafen für Kleinboote zusteuerten und dort anlegen wollten, solidarisierten sich spontan Schwimmer*innen und Leute mit Ruderbooten und versperrten auch da den Weg zu den Anlegestellen. Die Polizei, die schnell mit einem Boot auf dem Plan war, beendete die Aktion dann schnell und liess Die Touris von Bord gehen.

Ein Affront von Seiten der Polizei gegen den Kampf der Streikenden, nachdem die Behörden noch am Vortag versicherten „alles zu tun um eine annehmbare Lösung für alle zu finden“. Leere Worte von denen, die als einziges Mittel zur Krisenlösung die Privatisierung propagieren, und als logische Konsequenz daraus den Kampf der Streikenden sabotieren. Doch wenn es das ist was sie Säen, werden wir sehen, ob sie denn ausser Widerstand etwas ernten werden…

(foto: sostenitore)

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