Überall ist Afrin – Überall ist Widerstand

Thema: Internationalismus/Antifaschismus
Datum: 21/03/2018
Von: RRN

Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit sind die Gefühle, die mensch angesichts des Massakers verspürt, das durch die türkische faschistische Armee, islamistische Halsabschneiderbanden, deutsche und schweizer Waffen, das nicht-intervenieren der syrischen Regierung und das Schweigen der Staaten gerade in Afrin angerichtet wird.

Vorweggenommen: Gräueltaten finden überall statt, im syrischen Bürgerkrieg wie insgesamt in den bewaffneten Konflikten weltweit, an den Grenzen, durch Hunger, Krankheiten, Umweltzerstörung, Femizid, staatliche Gewalt – durch die Eigentumsverhältnisse, die unsere Welt in ein einziges planetares Selbstmordkommando verwandelt haben.

Von den USA zuerst unterstützt und dann fallen gelassen, kann die Revolution kaum auf Unterstützung seitens naheliegenden Staaten und Milizen zählen.
Die syrische Regierung selbst veurteilt zwar die türkische Aggression, scheut sich aber reguläre Truppen in die Region zu schicken. Regierungstreue Milizien, die Afrin verteidigen wollen werden von der Türkei ungesühmt angegriffen.
Die Welt kniet ein weiteres Mal vor der faschistischen Türkei, in erster Linie die Staaten Europas, die immer noch Waffen liefern (https://www.jungewelt.de/artikel/329081.berlin-mordet-mit.html). Die offizielle Schweiz ist so dreist, den Krieg in Afrin als „innere Angelegenheit“ der Türkei zu betrachten. (https://www.watson.ch/International/Interview/953037069—Der-Westen-haette-durchaus-die-Mittel–Erdogans-Offensive-auf-Afrin-zu-stoppen–). Continue reading Überall ist Afrin – Überall ist Widerstand →

Marielle Franco, presente!

Thema: Antisexismus/Antifaschismus
Datum: 19/03/2018
Übersetzt von: El Perico Mendoza

Fünf Tage nach dem Mord an Marielle Franco am 14.03.18, führte die  Gruppe „The Black Rose/Rosa Negra Social Media Team“ (BRRN) aus den  USA ein Interview mit der Federação Anarquista do Rio de Janeiro FARJ (Anarchistische Föderation Rio de Janeiro).

BRRN.: Könnt ihr uns etwas über den Aktivismus Marielle Francos  erzählen? Aufgrund welcher Aktivitäten war sie bekannt?

FARJ. Marielle wurde im Jahr 2016 zur Stadträtin von Rio de Janeiro  gewählt (fünftbestes Wahlergebnis) und war Mitglied der Partei  Sozialismus und Freiheit (PSOL), eine Abspaltung der Arbeiterpartei  (PT). Vor allem aber war sie eine schwarze und lesbische Frau, geboren  und aufgewachsen in einer der größten Favelas von Rio. Sie hatte eine lange Geschichte der Militanz und des Kampfes hinter sich. Sie war  stark in Menschenrechtskämpfe involviert, vor allem Frauenrechte  (insbesondere Abtreibungsrechte und gegen sexuelle Gewalt) und Kämpfe  der schwarzen Community (gegen Polizeibrutalität und den Völkermord an  Schwarze).

Vor kurzem wurde sie zur Berichterstatterin der  Interventionskommission des Stadtrats von Rio ernannt, eine Kommission  die zur Beaufsichtigung der bundesstaatlichen Intervention im Bereich  Sicherheit von Rio de Janeiro erstellt wurde. In ihren letzten Tagen  kritisierte sie vehement die Polizeibrutalität in der Favela  „Acari“,  eine Favela, die Monate vor der militärischen Intervention, oft Ziel  gewalttätiger Polizeieinsätze war und viele Opfer forderte. Sie wurde  unter den kämpfenden Menschen aus Rio de Janeiro sehr respektiert,  sogar von denen, die aufgrund ihrer Geschichte und ihrer kämpferischen  Praxis, nicht an Wahlstrategien glauben.

BRRN: Erläutert uns den politischen Kontext ihrer Ermordung. Wir  wissen, dass das Militär und die Bundesregierung im vergangenen Monat in Rio de Janeiro eingriffen und die Polizeiarbeit übernahmen.  Marielle kam aus einem Favelaviertel und kritisierte die Beteiligung  des Militärs an der Polizeiarbeit. Continue reading Marielle Franco, presente! →

Demonstration für Afrin in Bern: Anklage der Komplizenschaft Deutschlands und Russlands

Thema: Proteste/Internationalismus
Datum: 14/03/2018
Von: RRN

Während die islamofaschistischen Truppen des türkischen Staates und seinen Verbündeten der FSA Afrin umkesselt haben (zwischenzeitlich ist die Wasserversorgung gekappt worden wie verschiedene Medien berichten) und sich mit der stillschweigenden Zustimmung der sogenannten „internationalen Gemeinschaft“ schreckliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit anbahnen, haben etwa hundert Personen im reichen Kirchenfeldquartier, wo sich ein grosser Teil der Botschaften befindet, an einer Demonstration für Afrin teilgenommen.

Vor der deutschen Botschaft gestartet – in der Nähe befindet sich auch die russische – wo die Komplizenschaft der deutschen und russischen Regierungen angeprangert wurden, ging der Demozug später Richtung türkische Botschaft, die weitreichend von der Polizei abgeriegelt worden ist. Hier hat sich der Demozug auch selbstädnig aufgelöst.

(Photo – RRN)

Bannon Hau Ab! Toleranz gegenüber rechten Hetzern? Nope!

Thema: Protesten/ Antifaschismus
Datum: März 2018
Aus: Facebook Veranstaltung

Protestaktion gegen Steve Bannon’s Auftritt in Zürich
6. März um 19:00 auf dem Marktplatz in Oerlikon

(Photo: Fb)

Steve Bannon, ex-Chefstratege von Donald Trumps Administration, spricht auf Einladung der Weltwoche nächsten Dienstag, dem 6. März in Oerlikon (Halle 622). Es gibt viele Gründe dagegen zu protestieren.

Bannon hat als Wahlkampfleiter von Donald Trump nicht nur dafür gesorgt, dass dessen rassistische, sexistische und nationalistische Präsidentschaftskampagne erfolgreich war. Ebenso war er nach der Wahl als Chefstratege der Trump-Administration mitverantwortlich für die übelsten rassistischen Entgleisungen der US-Regierung. Beispielweise das Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern. Continue reading Bannon Hau Ab! Toleranz gegenüber rechten Hetzern? Nope! →

Gegen die Volksmacht

Thema: Kultur
Datum: Februar 2018
Einleitung und Übersetzung von: Enrique „El Perico“ Mendoza
Text aus: Proletarios Internacionalistas

Der Linkspopulismus gegen die Revolution

Der vorliegende Text wurde im Jahr 2013 publiziert, hat aber leider nicht an Relevanz verloren. Denn viele selbsternannte Anarchist*innen oder Kommunist*innen, halten heutzutage den Dualismus zwischen Links und Rechts aufrecht, ohne die Notwendigkeit des Bruchs mit der Warengesellschaft und der Vielfalt der mit ihr verbundenen Unterdrückungsmechanismen auch nur im geringsten anzusprechen. Wo Michel Temer in Brasilien beispielsweise mit seiner potenzierten neoliberalen Politik, die internationalen und nationalen Interessen des Kapitals durchsetzt, schreien viele nach Dilma Rousseff bzw. Nach Lula, der trotz der Korruptionsskandale, sich an der Präsidentschaftswahl dieses Jahres beteiligen möchte. Als ob die Arbeiterpartei PT nicht die global Herrschende Produktionsform aufrechterhalten würde, als ob durch die Wahl des „kleineren Übels“ sich das Proletariat eine Verschnaufpause gönnen könnte um seine Kräfte zu sammeln und als ob die Almosen für ein Teil der ärmeren Schichten, tatsächlich die Armut beenden könnten. Ganz im Gegenteil: Linkspopulistische Parteien absorbieren die Kraft der sozialen Bewegungen, sie befrieden den Konflikt und schüren den Nationalismus und den Demokratiefetisch, was nichts anderes als eine Apologie des Bestehenden bedeutet und eine wirkliche Veränderung der Gesellschaft auf die Ewigkeit verschiebt. Continue reading Gegen die Volksmacht →

Reflexionen eines angekotzten müden queeren Subjekts

Thema: Queer
Datum: 24/01/2018
Von: Freund*innen der RRN

Marxismus, Existenzialismus, Antifaschismus, Trash, Britney Spears, Populärkultur, Techno, Liebe in Zeiten des kommenden Aufstands

Ein Essay in sechs Teilen.

Schöne neue pinke Welt. Amikäfer Halt!

Die florierende Sicherheitsindustrie und die militärische Aufrüstung werden durch die Rekrutierung von LGBT-Individuen gestärkt. Angetrieben wird diese Rekrutierung von Vertreter*innen des neoliberalen politischen Establishments. Während sich die jetzige Trump-Administration gegen den Dienst von Trans*menschen positioniert, übernimmt die herrschende medial angetriebene feministische Diskussion die Verteidigung von identitätspolitischen Anliegen, statt den überdimensionierten Sicherheitskomplex in Frage zu stellen. Was sollte daran falsch sein, dass Trans*menschen in der Armee dienen dürfen? Entgegen der transphoben Politik Trumps sollte es in der individuellen Freiheit liegen, ob man sich in das System der Landesverteidigung eingliedern möchte oder nicht. Und gerade in einer Zeit in der gerade in den USA die Anliegen von Trans*menschen wieder mediale Beachtung erhalten. Natürlich wird auch hier das neoliberale Establishment in der aufgeladenen Porträtierung von weissen und privilegierten Individuen aktiv, während noch immer viele überwiegend schwarze Trans*frauen im ganzen Land in Hassverbrechen ermordet werden. Der liberale Diskurs hat die Positionen bereits etabliert. Selbstgerecht anmutende Menschen, welche sich left-wing bezeichnen, sind für die Rechte von Trans*frauen und somit auch für die Eingliederung von Minderheiten, um dem tötenden Militärkomplex neues Futter und ein liberales zukunftgewandtes Image zu verschenken. Sie applaudieren und schreien Gerechtigkeit, wenn die Hälfte der zehn reichsten Menschen aus Frauen bestehen wird. Die Gruppe der liberalen US-Amerikaner*innen kann schlecht als links bezeichnet werden, denn sind ein Produkt einer langjährigen kapitalistischen Hirnwäsche, welche durch Identitätspolitik eine profitable und unschädliche Gruppe im neoliberalen Markt produziert hat. Die marktrelevante Individualisierung und Optimierung der eigenen Identität scheint Hand in Hand mit der Entfremdung der zugehörigen Klasse einherzugehen. Wer die Homo-Ehe will, scheint sich mit der Verachtung gegenüber anderen weniger privilegierten und unterdrückten queeren Lebensformen arrangiert zu haben. Wer in den USA links ist, würde sich hoffentlich der faschistoiden und perversen Verehrung und Verherrlichung der Landesverteidigung und des Nationalstaates entziehen. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird die Tötung unzähliger Menschen seit Beginn der Entstehung euphorisch gefeiert. Continue reading Reflexionen eines angekotzten müden queeren Subjekts →

Ein Grabstein für Locarno

Thema: Kampf um die Stadt
Datum: 25/01/2018
Von: RRN

Locarno, Winter 2018. Von den Mauern neben der Rotonda hängt ein Transparent mit der Aufschrift “Reformationsstadt”. Die Bedeutung dieser Benennung findet mensch auf der Website der Stadt:

     “Auf Einladung der Reformierten Evangelischen Gemeinschaft von Locarno und Umgebung hat die Stadt Locarno darum gebeten, sich dem internationalen Netzwerk der europäischen Reformationsstädte anzuschließen, die von der Gemeinschaft der protestantischen Kirchen in Europa gegründet wurde. Der Antrag wurde im Februar 2017 angenommen.“
(…)
      „In den 1540er Jahren entstand in Locarno eine Reformbewegung, die bald eine reformierte Gemeinschaft ins Leben rief.. Der Gemeinde wurde jedoch keine Glaubensfreiheit gewährt. 1555 mussten die Reformierten zwischen Abschwörung und Exil wählen. Die Mehrheit entschied sich nach Zürich auszuwandern, wo sie willkommen geheißen wurden. Das Exil, das den Reformierten auferlegt wurde, bleibt unauslöschlich in der kollektiven Erinnerung von Locarno.“

(…)
      Zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen möchte die Stadtverwaltung unterstreichen, wie es Locarno gelungen ist, die alten und tiefen Wunden zu überwinden und sich als Ort der Versöhnung, des Friedens und der Integration zu präsentieren.“ (Übersetzt von http://www.locarno.ch/it/locarno-citta-europea-della-riforma)

Ein paar Konzepte, die in diesem Text erscheinen: Existenzfreiheit, die sozialen Gruppen nicht gewährt wird; Abschwörung oder Exil; Mehr oder weniger erzwungene Auswanderung aufgrund des bedrückenden Klimas in der Provinz; Repressionen, die in der Erinnerung der Stadt unauslöschlich bleiben; Tiefgreifende Wunden die überwunden wurden; Locarno, das sich als Ort der Versöhnung, des Friedens und der Integration präsentiert (klasse Wortwahl)… Continue reading Ein Grabstein für Locarno →